Trinker-Typologie 1


Steve und ich lachen oft über andere Whisky-Trinker. Sie kennen bestimmt auch so schräge Vögel, Möchtegern-Experten und sonstige Deppen. Ich dachte man könnte an dieser Stelle Mal in loser Folge eine kleine Typologie auflegen. Den Anfang macht Dennis – ein alter Bekannter von uns.

Dennis war mit Anfang zwanzig ein harter Brocken. Quadratschädel. Kreuz wie ein Preisboxer. Mürrisch, schweigsam und wenn er was zu sagen hatte, ließ er eher seine Fäuste sprechen. Unbequem. Unangepasst. Unangenehm. Es war ihm egal was andere von ihm dachten. An einem guten Abend soff Dennis eine Pulle Schnaps, rauchte stinkenden dänischen Pfeifen-Tabak und hat Wochenschau auf Schallplatte gehört. Wer ihm dumm kam, hat es in der Regel schnell bereut. Whisky war nichts für Dennis. Kannte er nicht, verstand er nicht, hat er nicht eingesehen. Dann wurde Dennis älter. Er fing an auf sein Äußeres zu achten, besorgte sich Pollunder und Cordhosen. Staatsdienst, Ehe, Kinder. Er kaufte sich ein teures Sportfahrrad. Wurde besonnen und teigig. Er redete jetzt viel mehr. Seine kompromisslosen Standpunkte von einst, waren ihm zu undifferenziert. Einfache und klare Wahrheiten wollte er plötzlich aus allen Perspektiven beleuchten. Whisky schien ihm ein probates Mittel, um den sozialen Aufstieg einzuläuten. Das konnte er auch seiner ebenso anspruchsvollen wie anstrengenden Gattin besser vermitteln. „Schatz, dass trinkt man jetzt, wenn man dazu gehört“. Die Herrin des Hauses blieb skeptisch, wo sie herkam hätte man für den Gegenwert einer Flasche Highland Park 12 fünf Alkoholiker ein Jahr lang flüssig gehalten. Das Problem war nur: Das jahrelange exzessive Zechen hatte Dennis Geschmacksnerven veröden lassen. Klar – rauchig und nicht rauchig konnte er noch unterscheiden. Und das Islay irgendwie hip ist, hatte er auch aufgeschnappt. Aber an der Stelle versank die Sonne seines Geistes auch bereits am Horizont. Dennis kauft jetzt gerne Big Peat. Kennen Sie bestimmt. NAS-Driss, denn sie bei Bunnahabhain aus der Regenrinne zusammenfegen und von irgendeinem Abfüller verhökern lassen. Farbe wie gestreckter Fenchel-Tee. Mit einem Comic-Seebären auf dem Etikett. Da hat Dennis gleich zugegriffen. Smokehead mag er auch – da ist ein Totenkopf drauf. Macht in seinem eichefarbenen Billy-Regal richtig was her. Die Schwieger-Verwandschaft ist bei den seltenen aber dann sehr langwierigen Besuchen auch immer mächtig beeindruckt. Weltmännisch degoustiert er seine Verschnitt-Pullen aus den bunten Gläsern, die es mal bei McDonalds gab – eins zu jedem Mac-Menü. Eiswürfel oder auch ein Schuss Aldi-Cola sind für ihn kein Problem, da geht er flexibel auf die Bedürfnisse seiner Gäste ein. Was man Dennis immerhin zu Gute halten muss: Er weiß, dass er weder Ahnung noch Geschmack hat. Bei komplexen Whisky-Gesprächen hält er brav die Klappe. Leider kann er sich nicht so lange konzentrieren – sonst würde er am Ende noch was über Whisky lernen.