Leben im Felde

Dieter hatte diese Möglichkeit immer geleugnet. Aber jetzt war es soweit. Ich befand mich abgeschnitten von einer normalen Versorgung für drei Tage irgendwo in Sachsen-Anhalt. Im Restaurant des Hotels gab es Whisky. Aber die Auswahl war mehr als notdürftig ...
Wir hatten einen anstrengenden Lehrgang und es waren einige ganz gute Leute dabei. Vor allem mit einem verstand ich mich gut, einem großen Kerl, der von der Jagd bis zum Militärdienst einige erstaunliche Parallelen zu mir aufwies. Unaufgefordert erklärte er abends, er sei ein Lagavulin-Mann, obwohl er mehr Gemeinsamkeiten mit mir, als dem aufbrausenden Dieter hatte. Nicht zuletzt seine Kompromissbereitschaft hatte nichts Gemeinsames mit Dieter. Dachte ich.

0,35 hatte doch wohl im Handschuhfach Platz ..

Denn irgendwann tranken wir ein Bier und mein neuer Freund sagte, "Welchen Whisky nehmen wir?"
Wir inspizierten die Bar und fanden ausser Blends und Bourbon nur Glenfiddich 12 und 18. Ohne Worte oder gar Diskussion war uns klar, dass es nur um 12 oder 18 gehen konnte.

Unter uns: Am ersten Abend tranken wir den 18er und am zweiten den 12er. Neben anderem natürlich. Ganz klar: Es war ein Notfall und wir standen ihn so gut durch wie es ging. Hätte es sich jetzt nicht ausgezahlt, zu wissen, welchen Blend ich alternativ nehmen würde? Ich denke doch.

Dann kam die Stunde des Abschieds. Wir waren alle mit unseren Fahrzeugen da. Mein neuer Freund fuhr einen riesigen Geländewagen. Ich einen Audi Kombi. Schaufel, Sand, Berge von Wechselwäsche, ein Kasten Mineralwasser... Ich hatte alles dabei. Wirklich alles. ... Nur das Wichtigste nicht. Wir standen auf dem Parkplatz. Ich meinte "Blöd, dass wir keinen Islay hatten ...". "Ja", sagte mein Gegenüber. "Man sollte für Notfälle einen guten Blend kennen", meinte ich. "Wofür?" meinte er und klang auf einmal irgendwie wie Dieter. "Du hast doch wohl genug Platz im Auto."

Mir war, als trüge er auf einmal gar Dieters Vollbart und murmelte ähnlich gleichsam strafend und verständnislos wie dieser "Kein Islay...", aber es war wohl Einbildung. Wir trennten uns und fuhren jeder nach Hause.

Dieter erzählte ich nichts davon. Wofür auch. Ich weiß, was er sagen würde. Man könne sich doch wohl eine kleine Auswahl in den Kofferraum laden, etwa in einem Karton. Fünf oder sechs Flaschen wären ja zunächst genug. Auch Gläser wären doch wohl nicht so schwierig. Und überhaupt. Man brauche ja nicht einmal eine Kühlung. Nun gut.