Whisky oder Whiskey?

Für Mode-Whiskytrinker gibt es große Probleme (z.B. "Warum rieche und schmecke ich bloß nicht die tollen Obstsorten wie der Typ in den Tastingvideos?") und kleine Probleme (z.B. "Whisky oder Whiskey?").

Zum Glück gibt es Hilfe in Blogs, wo einem alles irgendwie erklärt wird. Und bald schon schwafelt der Novize bei der nächsten Party nach, was er da gelesen hat: "Obwohl Whisky und Whiskey im wahrsten Sinne des Wortes nur ein 'e' zu trennen scheint, ist die Sache doch nicht ganz so einfach. Denn es bestehen teilweise große Unterschiede zwischen den beiden Whisky-Sorten." Aha!

Und weiter geht es: "Vereinfacht gesagt wird mit den Bezeichnungen normalerweise schlicht zwischen schottischem Whisky ohne 'e' auf der einen Seite und Irish- und American Whiskey mit 'ey' auf der anderen Seite unterschieden." Soso.


In Wirklichkeit setzte sich erst im frühen 20. Jahrhundert das Wort "Whisky" für schottischen Whisky durch. Vorher tauchte genau so gut "Whiskey" auf.
Und die Grenzen zum Irish Whisky verliefen insofern weniger scharf, als dass 1860-80 in Schottland selbst zeitweilig erstens drei Mal so viel irischer Whisky verkauft wurde wie schottischer und zweitens darüber hinaus auch viele schottische Brennereien, besonders in den Lowlands, auf die gleiche Weise Whisky produzierten, wie es in Irland üblich war.*

Charles Maclean zitiert William Ross, einen wichtigen Protagonisten der Whisky-Industrie, der sagte, die Popularität von Irish Whisky sei "chiefly an account of its uniformity in style, as compared with Scottisch pot-still whisky, which varied enormously in flavour".

Der Mode-Whiskytrinker hat wenigstens eine Berechtigung: Die Geschichte ist voll von seinesgleichen!

*Nach Charles Maclean: Scotch Whisky. A Liquid History. 2003