Treasure Island. Wie beschenke ich mich selbst mit Whisky.

Dieter sagte einmal, er habe deshalb Whiskyflaschen in seinem Wohnzimmerschrank aufgestellt, weil er sich allein schon an dem Anblick erfreue. Und tatsächlich reihen sich bei ihm die Schachteln vieler verschiedener Lagavulin-, Laphroaig- und andere Brennereien-Abfüllungen wie Buchrücken aneinander. Ich habe das nachgeahmt und auch meine Stammflaschen im Wohnzimmer im Blick (auch, wenn es viel weniger sind), aber ich mache auch das krasse Gegenteil und verstecke Flaschen vor mir selbst.
Das hat nichts mit dem Vermeiden von Trinken zu tun. Wer so weit ist, sollte sich schleunigst in Behandlung begeben. Es hat damit etwas zu tun, dass ich mir selbst eine schöne Überraschung machen möchte.

Das geht so: Es gibt eine Reihe von Flaschen, die ich schon immer Mal probieren wollte. Der Wunsch ist nicht so groß, dass ich sie sofort kaufe, aber sie sind beispielsweise bei whisky.de oder Amazon in der Merkliste gespeichert.

Wenn ich jetzt eine Bestellung aufgebe (nicht unbedingt bei diesen beiden Händlern), weil ich etwas brauche, bestelle ich einfach eine dieser Wunschflaschen mit.
Das kann außerdem auch dann nützlich sein, wenn ich eine Mindestbestellmenge erreichen muss, um portofrei kaufen zu können.
Zum Beispiel habe ich mir zuletzt zwei Flaschen "meiner Brennerei" von unabhängigen Abfüllern gekauft.
Wenn das Paket kommt, stelle ich diese Flaschen in einen Schrank, zu all den anderen nicht angebrochenen Flaschen. Mit der Zeit vergesse ich, was da außer den Notvorräten meiner Stammmarken alles drin ist.


Und dann kommt vielleicht ein Tag wie heute. Es war eine harte Woche, ich bin an diesem Freitagnachmittag noch immer im Büro und ich überlege mir, was ich an dem kurzen Abend nachher machen werde.

Ich werde an den Schrank gehen und mal nachschauen, worauf ich Lust habe. Was da so alles drin ist. Interessant. Vielleicht sehe ich mir dann ein oder zwei Tastingvideos an, vielleicht schlage ich ein paar Flaschen im Lexikon von Michael Jackson nach. Ich werde mir jedenfalls Zeit mit der Auswahl lassen. Dann schlendere ich im Wohnzimmer an den Schrank, in dem meine Gläser sind, lasse mir endlos Zeit mit dem Öffnen der Flasche und dem Betrachten des Kartons und sehe dann in aller Ruhe, welche Überraschung ich mir da selbst gemacht habe.

Nun gut, ich habe nicht Dieters Erfahrung, also kann es ein Fehlgriff sein. Dann lasse ich es dabei, gebe der Flasche vielleicht einige Wochen später in anderer Stimmung eine zweite Chance und halte mich an diesem Abend an eine meiner drei bewährten Marken. So ging es mir mit dem Ardbeg 10. Der gefiel mir bei jedem Trinken besser. Oder aber die Überraschung hat sich gelohnt. Dann bleibe ich dabei und lerne die Abfüllung besser kennen. Nicht unbedingt an diesem einen Abend. Denn Dieter sagt, unter einer Drittel Flasche könne man nicht von Kennen sprechen. Aber wir haben ja auch heute erst Freitag.