Salz und Torf riechen nach nichts.

Dieter behauptete neulich, ich würde engstirnig Kriterien für Whisky festlegen, den ich mögen würde. Bourboncask, nicht gefärbt, kein N.a.s., nicht zu jung, nicht zu alt etc. Er hatte natürliche Unrecht, denn ich habe eben einen bestimmten Geschmack und beschreibe ihn lediglich anhand dieser Erfahrungswerte. Ich verteidigte mich mit dem Hinweis, ich möge ganz verschiedene Dinge, etwa auch maritime Malts und deren Salzaroma. Da war ich natürlich an den Falschen geraten!
"Salz riecht nicht!", rief er. "Genau so wenig wie Torf."
Er hatte den Old Pulteney ohnehin schon widerwillig getrunken, als ich ihm den irgendwann vorgestellt hatte. Es war ungefähr so gewesen, wie als hätte man seinen Eltern stolz die erste feste Freundin vorgestellt und wäre mit einem flüchtigen "ganz nett" abgespeist worden. Kein Wunder, dass ich ihm kurze "Affären" mit Speysidern verschwieg ("inakzeptabel").

"Es kommen keine Salzaromen in Whisky", dozierte er also. "Das geht nicht."
Nach dieser kalten Dusche recherchierte ich ein bisschen. Natürlich schreiben manche Bücher etwas anderes. Aber am Ende eines langen Abends (mitten in der Woche und deshalb ohne "Anschauungsmaterial"), war ich geneigt, Dieter Recht zu geben. Warum aber assoziierte ich trotzdem Salz? Spielte mein Gehirn mir das vor, weil ich wusste, dass Wick eine Hafenstadt ist, die früher sogar nur über die See erreichbar gewesen ist?
Nein, ich denke nicht. Zwar mag es solche Ursache-Wirkungs-Beziehungen bei der Beschreibung von Aromen geben. Aber ich empfand beispielsweise Caol Ila oder Ardbeg nicht als salzig, obwohl ich in einem phantastischen Buch genug "maritime" Bilder dieser Destillerien gesehen hatte.


Vielleicht geht die Frage, ob naturwissenschaftlich tatsächlich Salz oder Torfaroma existieren kann, aber auch am Thema vorbei. Wenn man bei manchen Bourbonfass-Abfüllungen an Kokos erinnert wird, würde man ja auch nicht untersuchen, ob Kokosnüsse irgendwie Einfluss auf das Getränk hätten haben können. Nur so als Beispiel.

Ich habe in einem Forum Mal eine Diskussion zwischen mehreren Personen gelesen, die darüber stritten, ob ein bestimmter Whisky eine Fruchtnote hat. Ein Mann schrieb schließlich, für ihn habe er eine. Das könnten vielleicht nur Menschen nachvollziehen, deren Mütter auch Früchte eingekocht hätten. Das habe in seiner Kindheit ein ganz bestimmtes Früchtearoma erzeugt.

Vielleicht kann man es so erklären, dass durch irgendwelche Faktoren ein "Salzaroma" entsteht, das viele Menschen aufgrund ihrer Vorerfahrungen unabhängig von einander feststellen, ohne, dass tatsächlich Salz auf das Getränk einwirken kann. Es ist eben nur ein Aroma, dass diese Menschen an Salz erinnert.

Letztlich ist mir persönlich die Benennung egal. Ich mag eben das, was ich als Salzaroma wahrnehme. Und Dieter, der mitunter mitleidig auf die drei dürren Worte geblickt hatte, die ich nach einer Whiskytrinkerei aufgeschrieben hatte, während er natürlich seitenweise Tastingnotes verfasst hatte, sollte froh sein, dass ich endlich überhaupt irgend etwas roch.