Highland Park in den Händen der Marketeers!

Es gibt Leute, die wünschen sich die "gute alte Zeit" zurück. Die sieht in ihrer Vorstellung ungefähr so aus: Eine malerische Destillerie (natürlich in Familienbesitz). Zwei, drei knorrigen Schotten, die unter dem Kommando eines wettergegerbten Brennmeisters arbeiten. Whisky, der in aller Ruhe in Handarbeit hergestellt wird. ... Ungefähr so, wie die Idylle der alten Jack Daniels-Werbung. Nur eben auf Schottisch und mit Torfrauch. ... Ich gebe zu, dass mir diese Vorstellung auch gefällt.

Mit der Mode gehende Destillerie-Manager und Masterblender und umsatzorientierte Vertriebs- und Marketingleute passen einfach nicht dazu!

Für viele Leute mit solchen Träumereien ist Highland Park ein besonders schlimmer Fall. Denn sie mögen die Klassiker HP12 oder HP18, die mit um die 30 bzw. 90 Euro noch erschwinglich sind. Genau wie ich.

Aber sie hassen sowohl die N.a.s.-Linie (anders ausgedrückt: das seit 2013 existierende duty free-Zeug wie Svein, Einar, Harald etc.), als auch Spezialabfüllungen mit age statement wie die sogenannte Valhalla Colletion (beginnend 2012 mit dem 16jährigen Thor).
Und hier unterscheiden wir uns!


Während ich die Kritik an N.a.s. aus grundsätzlichen Überlegungen teile*, verstehe ich die an den teuren Abfüllungen mit Altersangabe nicht wirklich. Im Gegenteil: Wenn ich mir günstig Freya, die 15jährige Bourboncask-Ausgabe der Valhalla-Serie, unter den Nagel reißen könnte - das wäre etwas!

Gut, diese Flaschen sind vergleichsweise teuer. Und es ist den Leuten von Highland Park mit ihrer Wikinger-Positionierung, mit spannenden Namen, interessanten Flaschendesigns, einer bewussten Verknappung und ein paar weiteren Tricks gelungen, einen Hype zu schaffen, mit dem die wenigen, teuren Flaschen jeweils schnell vergriffen sind. Aber warum nicht? Wem nützt es, wenn Highland Park weniger erfolgreich ist?

Ich habe den Verdacht, dass hierbei Sozialneid eine wichtige Rolle spielt. So etwas wie: "Ich kann mir die Flasche nicht leisten, also finde ich es blöd, dass es so etwas gibt."

Besondere menschliche Größe ist in solchen Motiven nicht erkennbar. Und ein besserer Whiskytrinker (wenn es das überhaupt gibt), ist man deswegen auch nicht. Das Getränk selbst ist ja grundsätzlich nicht anders entstanden, als der biedere HP12 (dessen Flaschen mit einem neuen, etwas kindisch wirkenden Wikingerdesign auch gerade aufgemotzt werden).

Es kann ja sogar Spaß machen, das Spiel der Marketingleute mitzuspielen.

Neulich gab es wieder eine limitierte Abfüllung zum 30. Jubiläum der Romanfigur Inspektor Rebus des schottischen Crime-Autors Ian Rankin. Ich bekam eine Werbemail (weil ich mich dafür angemeldet hatte, um genau solche Informationen zu bekommen), registrierte mich, wie in der Mail angegeben, und bekam endlich, am 22. Juni, die Nachricht, dass ich dabei war! Ich war an dem Tag auf einem langweiligen Kongress, hatte meinen Teil beigetragen und sah gelangweilt meine privaten Mails an. Und dann diese gute Nachricht! Was soll daran falsch sein?

Die Flasche kostete nur 30 Pfund und es gab sowieso nur eine. Mein finanzieller Einsatz ist also sehr überschaubar. Ich finde, eine etwas traditionellere Einstellung ist schön und gut. Aber ich möchte nicht so dogmatisch sein, dass die ganze Trinkerei aufhört, Spaß zu machen.

Und Dieters "Zustimmung" hatte ich mir vorher auch schon abgeholt: "Die bewerben da so ne Sonderabfüllung", hatte ich irgendwann wie beiläufig gesagt. Dann das Signalwort gegeben: "Hat ne Altersangabe. 10 Jahre. Nur 30 Pfund". "Jaja", hatte er gelangweilt gesagt. "Mach nur. Für den Preis kannste nichts falsch machen".

Wenn selbst der dogmatische Dieter, der sich stundenlang über die Warrior-Serie aufregen konnte, nichts zu kritisieren fand, war es ja wohl in Ordnung, sich in die Warteliste einzutragen. ... Es sei denn, ich war so unauffällig, dass er gar nicht richtig zugehört hatte ...


*Schon deshalb, um mich in die Widerstandslinie einzureihen, die laut einem Experten die Brennereien davon abhält, komplett auf die Altersangabe zu verzichten: "However, Lumsden claimed age statements will 'always have a place' in Scotch whisky, as 'some people are always going to like seeing ages on bottles'."