Noch ein Whisky-Blog? Nicht so ganz.

Seit Whisky Modegetränk geworden ist, nehmen die Youtube-Kanäle und auch Blogs zum Thema natürlich zu. Es gibt genug frei verfügbares enzyklopädisches Wissen, allen voran natürlich das Informationsuniversum von Horst Lüning und zig tausende von Tasting-Videos aller möglichen Leute. Was will ich also mit einem neuen Blog?
Das Wichtigste zuerst: Es geht mir nicht darum, irgendeins der vielen guten Bücher oder online Informationsangebote zu ergänzen. Ich will weder die Herstellung erläutern, noch Abdruckfläche für die Pressemitteilungen der Whiskyindustrie bieten. Warum auch, beides gibt es: Valide und gute Informationen über die Brennereren und das Getränk an sich und (davon am meisten) kritiklose PR-Artikel und "Neuigkeiten" aus der Branche, die mich zumindest meistens nicht interessieren.
Ich will keine Information vermitteln, sondern Meinung.

In gewisser Weise gibt es auch ein Überangebot an Meinung. Zum Beispiel in Tasting-Videos. Natürlich sehe ich mir gerne als erste Information Tasting-Videos an, aber abgesehen davon, dass das Geschmacksempfinden eben nicht meinem Geschmacksempfinden gleicht, reicht mir das nicht.

Mein Freund Dieter hat in gewisser Weise die Initialzündung dafür gelegt, dass ich Whisky ein zweites Mal intensiv versucht habe (nach ersten Erfahrungen mit Anfang 20). Unsere oft kontroversen Diskussionen über Whisky machen mir Spaß. Und sie sind in einem Punkt gar nicht kontrovers: In der Konsequenz, mit der wir das Thema betrachten.


Dieter hat auch die grundlegende Richtung vorgegeben:
1) Nur Single Malt aus Schottland. Ohne Ausnahme!
2) Absolut kein N.a.s. Völlig kompromisslos!
3) Am liebsten ungefärbt. Großer Wunsch.
4) Am liebsten nicht kühlfiltriert. Auch großer Wunsch.
5) Damit einhergehend entsprechende Volumenprozente Alkohol.
5) Wenn irgend möglich Originalabfüllung.

So etwas wie unsere Diskussionen würde ich gerne auch von anderen Leuten lesen. Keine weichen Aussagen von Leuten, die Teil der Branche sind, sondern vielmehr: Ärger und Enttäuschung über bestimmte Abfüllungen, Wut über Preispolitik und die Suche nach "Hintertüren", Spott über andere Trinker und ihrer Selbstdarstellung, ätzende Kritik an Marketing-Tricks der Hersteller, die ewigen Glaubensfragen nach N.a.s., Blends und ob man außer Islands, Islay und vereinzelt Highlands überhaupt etwas anderes trinken sollte.

Der Name "The Unconventional Whisky Drinkers' Diary" soll das ausdrücken. Das Blog wurde nicht von Experten oder Marketeers verfasst und auch nicht in deren teilweise schleimigen Tonalität geschrieben. Dieter meint, man müsse mindestens eine halbe Flasche trinken, um einen Whisky ansatzweise einschätzen zu können. Das nenne ich eine valide Aussage. Ich sehe aber schon die weinerlichen Gesichter einiger Edel-Taster angesichts dieser Menge. Es erinnert etwas an die irritierten Gesichter der "straight legs", also regulärer Soldaten, wenn ihnen die Kampfweise unkonventioneller Krieger begegnet.
Schließlich hat das Blog nicht den logischen Aufbau eines Buches. Die Reihenfolge ist dadurch bestimmt, was einem so durch den Kopf geht, was man gerade trinkt oder erlebt.

Also habe ich Dieter bestimmt zehn Mal gesagt oder geschrieben, er solle dies oder das in seinem Blog schreiben. Aber er versucht es auszusitzen. Vielleicht ist er zu bescheiden und denkt, er sei nicht so weit, irgendetwas zu schreiben oder er es ist ihm zu viel Mühe oder was weiß ich. Ich fange deshalb jetzt erst Mal an und schreibe, was ich selbst gerne lesen würde. Und wenn ich Dieter dazu kriege, mitzumachen, könnte das unterhaltsam werden. Wenn das Ganze dann noch wen anders interessiert, ist es gut. Aber ehrlich, obwohl ich sicher bin, dass es so ist und es schön wäre, den Whisky den Leuten zurück zu geben, für die er gemacht ist, nämlich den Trinkern, ist es mir fast egal.