Das große Trinken. Wie alles begann.

Mein Freund Dieter hatte über die Jahre immer mal wieder versucht, mich zum Whisky-Trinken zu animieren. Mit geringem Erfolg. Ich hatte von Anfang bis Mitte 20 Whisky getrunken. Meistens das, was wir bei uns zu Hause hatten. Aber, da mein Vater selbst Whisky trank, damals in den 80er Jahren auch schon Single Malt, meist aber Ballentines 12, fiel es mir leichter, Gin "mitzunehmen", wenn ich mich mit meinen Freunden traf.

Wo ich mich die vielrn Jahre beim Militär und im Studium bewegte, wurde nur Bier getrunken und danach fehlte es irgendwie am Anreiz. Schließlich war ich vor zwei Jahren im Sommer bei Dieter und er veranstaltete ein Tasting. Ich kann mich nur noch an Lagavulin 16 erinnern, obwohl er schwört, wie hätten auch Talisker und wer weiß was getrunken. Der Abend hatte es eben in sich, ich war einen Tag krank, und das Ganze wird natürlich bei 90 Prozent der Leser dieses Blogs für Kopfschütteln sorgen. Wenn es bei Ihnen so ist, brechen Sie am besten hier an der Stelle ab. Für Sie sind konventionelle Blogs oder Informationskanäle besser.

Ok, wenn Sie jetzt noch dabei sind, sind Sie vielleicht ein bisschen so wie wir und werden den Rest verstehen.
Letztlich weiß ich nicht genau, was mich Wochen danach veranlasste, im Internet zu lesen, ein Buch zu kaufen und ein paar Flaschen zu bestellen. Und dann zu probieren. Weitere Flaschen zu bestellen und weiter zu probieren. Zu lesen und zu trinken. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich war nicht pausenlos alkoholisiert. Trotz Dieters Mahnung, man müsse viel von einer Flasche trinken, um sie kennenzulernen, wußte ich bei manchen Abfüllungen schnell, dass ich sie nicht mochte. Ich kaufte nichts, was nicht nennenswerte Empfehlungen aufweisen konnte und dennoch versuchte ich zwei Mal vergeblich, den Ardmore Port Wood Finish, den oder sogar den Bourbon Blanton's Original (Kentucky Straight Bourbon) zu trinken. Ein dram war mir davon schon zu viel.

Ich fand mit der Zeit raus, dass ich Rauch mochte, aber nicht unbedingt sehr viel Rauch. Lagavulin 16 und Ardbeg 10 fand ich nicht schlecht. Aber mir haben sie zu viel Rauch. Talisker wurde meine Marke, genauer Talisker 10, auch wenn ich zunächst einen Umweg über den Dark Storm machte. Aber dafür war neben dem Rauch das Pfefferige verantwortlich. Nachreifung kann ich nicht leiden, nicht einmal bei Talisker. Also mag ich die Destillers Edition nicht.


Ich kaufte mir einen Blended Malt, den Hogshead (Signatory), der bei Dieter natürlich nur Kopfschütteln auslöste, obwohl er bei Horst Lüning, der ihn natürlich verkauft, nicht schlecht wegkommt. Nicht überragend, aber in meinen Augen auch nicht so schlecht wie Dieter behauptete, den ich schließlich irgendwann dazu verleiten konnte, ihn zu probieren.

Glenkinchie konnte ich nicht leiden, wohl aber Dalwhinnie. Beides verschwieg ich Dieter vorsichtshalber. Glenkinchie hätte er weit von sich gewiesen ("Lowlands, ich bitte dich, das ist einfach lächerlich", höre ich ihn sagen). Dalwhinnie vermutlich auch. Aber den mochte ich. Weich, aber nicht schwach. Gut zwischendurch trinkbar. Nichts, wenn man nach einem kalten Tag mit der Angel oder im Wald reinkommt. Aber für einen normalen, anspruchslosen Freitagabend gut. Ich werde Dalwhinnie irgendwann noch einmal ausführlich besprechen.

Jura 10, nein, mochte ich gar nicht. Old Pulteney 12 hingegen kann ich flaschenweise trinken. Ich bin sogar in der Lage, seine Salzigkeit und Öligkeit festzustellen, obwohl ich sonst kaum in der Lage bin, seitenweise Tastingnotes zu verfassen.

Benriach Curiositas war irgendwie farblos. Sah Dieter auch so, mit dem ich ihn später erneut probierte.
Bowmore ganz ok. Aber nicht umwerfend.
Glen Scotia 18 mit einem umwerfenden Fruchtaroma, aber sonst eher belanglos. Ausdrucksarm.

Highland Park 18 (den 12jährigen habe ich bis heute nicht getrunken) ganz ausgezeichnet. Da störte nicht einmal mehr der Sherry. Irgendwie ein Gesamtkunstwerk, wo man nichts hinzufügen und nichts wegnehmen kann. Der leichte Rauch unbezahlbar. Der 10jährige jung, aggressiv, nicht schlecht, aber kommt an den 18jährigen nicht ran.

N.a.s. versuchte ich gar nicht erst (Dieter: "So was fasst du nicht an").

An alles kann ich mich nicht erinnern. Besonders schlimme Flaschen verschenkte ich schnell. Außer, ich wollte herausfinden, was Dieter dazu sagte.


Am Ende hatte ich immerhin drei Marken, die jetzt in meinem Wohnzimmer immer griffbereit sind. Sie stehen nicht so präsent herum wie bei Dieter. Vor allem sind es auch nur drei. Aber sie werden regelmäßig getrunken.

Warum ich dennoch immer noch neue Marken probiere, ist klar. Diesen Wunsch oder besser diese Hoffnung werden viele von Ihnen haben: Irgendwo da draußen muss es noch eine Abfüllung geben, die das Zeug hat, mein Lieblingsgetränk zu werden...