Bourbon oder Sherry. Eine Fassfrage.

Sie wissen vermutlich besser als ich, dass es, außer auf den Brennereicharakter, das Darren mit Torffeuer und andere Faktoren vor allem auf das Fass ankommt. Es ist ein bisschen so wie beim Schuß auf Wild: Es ist nicht nur der Schütze, die Waffe, das Kaliber und die Optik. Es ist vor allem das Geschoss und sein Verhalten. Das mit dem Fass brauchen wir hier also nicht weiter zu erörtern. Ich könnte das auch gar nicht.
Ich habe im Malt Whisky Yearbook 2016 interessiert den Artikel "The Cask is King" gelesen ("Of all the factors which influence the favour of malt whisky, the cask in which it matures is the most influential.") .* Aber ich habe mir nicht gemerkt, warum welche Eichenart welche Eigenschaften hat, die in welcher Zeit zu welchen Veränderungen beim Getränk führen. Dieter weiß es natürlich. Aber für mich reichen Anwenderkenntnisse.


Wenn Sie hier etwas gelesen haben, wissen Sie auch, dass ich Nachreifungen überhaupt nicht leiden kann und Sherryfass auch nur seltenst akzeptiere (etwa beim Highland Park 18). Der dogmatische Dieter ist in diesen beiden Punkten übrigens erstaunlich beweglich. Also unter der Voraussetzung ihm passt die Herkunft.**

Nun ist der Punkt aber der: Was nützt mir diese Erkenntnis, wenn Hersteller und Händler mir dazu nichts sagen können oder wollen. Ich weiß, sie können es nicht mehr hören, aber bei Old Pulteney ist beispielsweise klar: der 12jährige ist nur Bourbon, der 17er etwas Sherry, der 21er mehr. Ich wüsste es zwar gerne noch genauer (1st fill, 2nd fill etc) und hätte auch gerne einen älteren Bourbon cask. Aber gut. Das Alter sagen sie natürlich auch. Mit diesen beiden Angaben kann ich schon mal was anfangen.

Selbst bei ihrem N.a.s., z.B. der lighthouse-Serie, verfolgen sie diese Einteilungs- und Transparenz-Politik. Nun ja, bis auf die Altersangabe eben.
Das würde mir aber noch nicht weiterhelfen, wenn ich als Erstinteressent für eine Flasche diese Angabe nicht beim Händler finden würde.
Ich sage ja nichts, wenn das beim billigsten online-Shop nicht passiert. Der verkauft eben nur über den Preis. Wer sich aber, ob im online oder stationären Handel, höherpreisig positioniert, von dem erwarte ich solche Abgaben. Und wer explizit Beratung auslobt, von dem erwarte ich diese Angaben auch dann, wenn der Hersteller sie nicht angibt. Anders ausgedrückt: wer es nicht schafft, Sherry rauszufinden, weil er es entweder nicht bemerkt oder nicht probieren möchte, sollte keinen Whisky verkaufen und am besten auch sonst nichts Anspruchsvolleres.


Anmerkungen:
*Den Kauf des jährlich erscheinenden Buches kann ich nur empfehlen. Dieter konnte ihm scheinbar nicht viel abgewinnen, aber ihn interessiert vermutlich mehr die Herstellung. Mich interessiert mehr das Getränk in seinem wirtschaftlichen und historischen Kontext. Genau das bildet dieses Buch gut ab. Trinken interessiert uns beide natürlich am meisten. Whisky ist dafür gemacht, getrunken zu werden. Und zwar von ernsthaften Trinkern und nicht von Schnöseln.
**Ich habe es an anderer Stelle geschrieben. Er akzeptiert Islay, Islands und ab und zu Highlands. Natürlich nur mit Altersangabe. Destinationen außerhalb Schottlands sind so inakzeptabel, dass ich sie hier gar nicht erst aufführe. Dieter sagt, es gebe da oben (er meint seine drei Gebiete) noch so viel zu entdecken. Da wolle er mit etwas anderem keine Zeit verschwenden. Ich muss ihm da recht geben. Allerdings habe ich eben eine Schwäche für die USA und ihre Geschichte und werde irgendwann, wenn Zeit ist, trotz der Pleite mit Blantons, wieder Bourbon probieren. Vielleicht zuerst Eagle Rare 10 oder Markers Mark Red Seal.